TL;DR: Claude lässt sich DSGVO-konform einsetzen, aber nur mit dem richtigen Plan. In den kommerziellen Produkten schließt Anthropic Training auf Kundendaten vertraglich aus, der Auftragsverarbeitungsvertrag mit EU-Standardvertragsklauseln ist automatisch Teil der Bedingungen, und für den EWR ist Anthropic Ireland Limited verantwortlich. Der wunde Punkt: Eine EU-Datenresidenz bietet Anthropic auf der eigenen Plattform nicht an, wählbar sind nur „global“ und „USA“. Verarbeitung in Europa gibt es nur über Amazon Bedrock oder die Agent Platform von Google Cloud.
Dieser Guide ordnet den Stand vom 21. Oktober 2026 ein; einzelne Angaben tragen ihr eigenes Prüfdatum. Er ersetzt keine Rechtsberatung im Sinne des RDG; für die verbindliche Bewertung eures Einzelfalls braucht es Datenschutzbeauftragte oder Anwältinnen und Anwälte.
Trainiert Anthropic mit unseren Daten?
Das hängt am Produkt, nicht am Preis. Anthropic unterscheidet klar zwischen Consumer- und kommerziellen Angeboten.
| Produkt | Training | Aufbewahrung |
|---|---|---|
| Free, Pro, Max, Ultra | Deine Wahl: Seit dem 28. August 2025 fragt ein Dialog nach der Freigabe. Der Schalter darin ist voreingestellt, du musst die Entscheidung aktiv treffen und kannst sie später in den Datenschutzeinstellungen ändern. | 30 Tage ohne Freigabe, bis zu 5 Jahre in den Trainingspipelines mit Freigabe |
| API | vertraglich ausgeschlossen (Commercial Terms) | 30 Tage für Ein- und Ausgaben |
| Team, Enterprise | vertraglich ausgeschlossen (Commercial Terms) | unbegrenzt, solange keine eigene Frist gesetzt ist; eigene Fristen gibt es nur in Enterprise, Minimum 30 Tage |
| Claude Code mit Firmenkonto | unter kommerziellen Bedingungen ausgeschlossen | Standard 30 Tage bei Anthropic; lokal liegen Transkripte 30 Tage im Klartext unter ~/.claude/projects/ |
Prüfe die zweite Zeile besonders genau, denn sie widerspricht einer naheliegenden Annahme: Im Firmenkonto verschwinden Chats nicht nach 30 Tagen. Anthropic bewahrt Chats, Dateien und Projekte unbegrenzt auf, bis jemand mit der Rolle Owner oder Primary Owner unter Organization settings, Data and privacy eine Frist setzt. Das geht nur im Enterprise-Plan. Eine kürzere Frist plant die Löschung älterer Daten sofort ein, die endgültige Löschung kann einige Tage dauern und ist nicht umkehrbar. Wichtig: Die eigene Frist gilt laut Anthropic nicht für Claude Design, Claude Tag, Claude Managed Agents und Claude Code im Web. Wer eine Löschfrist braucht, muss sie also aktiv einstellen, und zwar bevor die ersten Projekte darin liegen.
Für Claude Code nennt die Dokumentation zur Datennutzung bei Firmenkonten 30 Tage als Standard; Sitzungen, die du über /feedback teilst, bewahrt Anthropic fünf Jahre auf. Für Cowork, das seit dem 16. September 2026 Teil der Claude-App ist, nennen die geprüften Quellen keine eigene Frist. Seit dem 6. Oktober 2026 laufen neue Cowork-Aufgaben in Pro und Max laut Hilfe-Center nur noch in der Cloud; lokale Ordner bleiben auf dem Rechner, Claude erreicht verbundene Ordner nur über die geöffnete Desktop-App. In Team und Enterprise ist Cowork in der Cloud eine Beta, in Enterprise schaltet ein Admin sie frei.
Zwei Ausnahmen gelten überall: Wer ausdrücklich Feedback gibt, etwa Daumen hoch oder runter, stimmt der Auswertung dieses Feedbacks zu; solche Daten werden bis zu fünf Jahre aufbewahrt. Und Inhalte, die im Rahmen einer Sicherheitsprüfung markiert wurden, bleiben länger gespeichert: bis zu zwei Jahre für Ein- und Ausgaben, bis zu sieben Jahre für die Bewertungswerte.
Der praktische Punkt für Unternehmen: Der Unterschied verläuft nicht zwischen kostenlos und bezahlt, sondern zwischen Consumer-Konto und Firmenkonto. Ein Pro-Abo, das jemand privat bezahlt und beruflich nutzt, ist ein Consumer-Konto. Genau das ist der häufigste Befund im Shadow-AI-Check. Was die Firmenpläne kosten und was sie an Kontrollen mitbringen, steht im Guide Claude Team und Enterprise.
Neu seit August 2026: Memory und sensible Themen. Seit dem 25. August 2026 teilen sich Chat und Cowork dasselbe Gedächtnis. Themen wie Gesundheit, Herkunft, Religion, Politik oder Geschlechtsidentität speichert Claude standardmäßig nicht im Gedächtnis; wer das will, schaltet „sensitive topics“ in den Einstellungen selbst ein. In Team und Enterprise ist Memory standardmäßig aus und wird von einem Owner eingeschaltet.
Was bedeutet Zero Data Retention und wer bekommt es?
Zero Data Retention heißt, dass Anthropic Ein- und Ausgaben nicht speichert. Es ist keine Voreinstellung, sondern muss freigeschaltet werden, und es gilt nicht überall.
- Verfügbar für die Claude API, die Claude Platform auf AWS und Claude in Microsoft Foundry. Auf Amazon Bedrock und Google Cloud ist der jeweilige Cloud-Anbieter der Auftragsverarbeiter, dort gelten dessen Regeln.
- Für Claude Code ist Zero Data Retention nicht im Standard-Enterprise-Plan enthalten; die Freischaltung läuft je Organisation über das Account-Team nach Eignungsprüfung.
- Wichtige Einschränkung: Für Fable 5, Fable 5.1, Mythos 5 und Mythos 5.1 verlangt Anthropic 30 Tage Aufbewahrung; Zero Data Retention gibt es dort nur mit ausdrücklicher Freigabe durch Anthropic. Anthropic nennt diese Modelle „Covered Models“.
- Auch Agent Skills sind nicht von Zero Data Retention abgedeckt.
- Die Self-hosted Environments für Claude Code (Public Beta seit 6. August 2026, Team und Enterprise) stehen Organisationen mit Zero Data Retention nicht zur Verfügung.
Anthropic hat am 1. September 2026 die Enterprise Frontier Safeguards angekündigt: Daten sollen künftig in der Cloud-Infrastruktur des Kunden liegen statt bei Anthropic. Der Rollout ist für den Herbst 2026 angekündigt. Für Fable 5.1 stellt Anthropic berechtigten Kunden die Freigabe für Zero Data Retention in Aussicht, bis die Enterprise Frontier Safeguards verfügbar sind. Wer eine Aufbewahrung von null Tagen als hartes Kriterium hat, sollte das vor der Modellwahl klären.
Gibt es eine EU-Datenresidenz bei Anthropic?
Auf der eigenen Plattform nicht. Anthropic speichert Daten standardmäßig in den USA und leitet Anfragen je nach Auslastung an Rechenzentren in ausgewählten Ländern in den USA, Europa, Asien und Australien. Der API-Parameter inference_geo kennt genau zwei Werte: global als Voreinstellung und us für Verarbeitung ausschließlich in den USA, letzteres zum 1,1-fachen Preis. Eine EU-Option gibt es dort nicht (Stand 20. Oktober 2026). In Claude Enterprise mit nutzungsbasierter Abrechnung lässt sich ebenfalls nur „US-only inference“ einschalten.
| Weg | Verarbeitung in der EU? | Was du wissen musst |
|---|---|---|
| claude.ai (Free bis Enterprise), Claude-Apps | nein | Speicherung standardmäßig in den USA; Enterprise mit nutzungsbasierter Abrechnung kann nur US-only wählen |
| Claude API direkt | nein | inference_geo: nur global oder us; US-only kostet das 1,1-Fache |
| Amazon Bedrock | ja, über EU-Regionen und EU-Inference-Profile (Präfix eu.) | Regionen laut Sekundärquellen u. a. Frankfurt, Irland, Paris; regionale Endpunkte 10 % teurer als globale; Auftragsverarbeiter ist AWS |
| Google Cloud (Agent Platform, früher Vertex AI) | ja, über den Multi-Region-Endpunkt eu oder einzelne EU-Regionen | Regionen laut Sekundärquellen u. a. Belgien, Niederlande, Polen; 10 % Aufschlag gegenüber globalen Endpunkten; Auftragsverarbeiter ist Google |
| Microsoft Foundry | derzeit nein | Anthropics Doku nennt nur „Global Standard“ und eine US-Datenzone; auf Anthropics Seite zur regionalen Compliance steht Europa bei Foundry auf „Coming soon“, ohne Datum |
Nicht jedes Modell ist in jeder Region zu haben. Vor der Entscheidung lohnt ein Blick in die Modellliste des jeweiligen Cloud-Anbieters für die gewünschte EU-Region. Wer Verarbeitung in Europa braucht, hat damit drei Wege, alle mit einem Haken:
- Amazon Bedrock oder Google Cloud (Agent Platform) mit europäischen Regionen. Dort ist der Cloud-Anbieter der Auftragsverarbeiter, nicht Anthropic, und der Zugang läuft über die API, nicht über die Claude-App mit Chat, Projekten und Cowork.
- Claude in Gemini Enterprise. Seit dem 15. Oktober 2026 lassen sich Opus 5.5 und Sonnet 5.5 in der Gemini-Enterprise-App nach Admin-Freigabe als Drittanbietermodelle nutzen, laut Google-Release-Notes auch in der Region
eu, abgerechnet nach Nutzung. Das ist die Oberfläche von Google, nicht die Claude-App; den Rahmen beschreibt das Pendant Gemini und DSGVO. - Ein anderes Modell wählen. OpenAI bietet Datenresidenz für ChatGPT Enterprise, Edu, Healthcare und die API an, unter anderem in Europa; API-Verarbeitung in der Region kostet 10 Prozent Aufschlag, für ChatGPT Business gibt es keine Datenresidenz. Details im Pendant ChatGPT und DSGVO.
Für die meisten mittelständischen Anwendungsfälle ist das lösbar, weil die Übermittlung in die USA über die Standardvertragsklauseln abgesichert ist. Für regulierte Prozesse mit harter Residenzanforderung ist es ein Ausschlusskriterium. Das gehört vor die Werkzeugentscheidung, nicht danach.
Bevor die Richtlinie geschrieben wird
Eine KI-Richtlinie ist schnell formuliert und trifft trotzdem daneben, wenn niemand weiß, was im Team tatsächlich läuft. Der Shadow-AI-Check erhebt genau das: anonyme Team-Umfrage, Tool-Inventur, Risiko-Ampel für Datenschutz und EU AI Act, 30-Tage-Maßnahmenplan. 990 € Festpreis zzgl. MwSt., Ergebnis nach 7 Tagen.
Shadow-AI-Check ansehenBrauchen wir einen AVV mit Anthropic, und wie bekommen wir ihn?
Ja, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden. Die gute Nachricht: Ihr müsst nichts separat unterschreiben. Das Data Processing Addendum von Anthropic ist über die kommerziellen Bedingungen automatisch einbezogen. In den Bedingungen steht wörtlich, dass über die Dienste übermittelte Daten nach diesem Addendum verarbeitet werden.
Enthalten sind die EU-Standardvertragsklauseln in Modul 2 (Verantwortlicher an Auftragsverarbeiter) und Modul 3 (Auftragsverarbeiter an Auftragsverarbeiter), dazu ein Zusatz für das Vereinigte Königreich und einer für die Schweiz. Bei Änderungen an den Unterauftragsverarbeitern informiert Anthropic vorab; ihr habt 15 Tage Zeit zu widersprechen, sonst gilt die Zustimmung als erteilt.
Wer sich die aktuelle Liste der Unterauftragsverarbeiter ansehen will, findet sie im Trust Center unter trust.anthropic.com/subprocessors. Die Seite lädt ihre Inhalte per JavaScript nach, ein einfacher Abruf reicht nicht; sie gehört einmal im Quartal manuell geprüft.
Wer ist Verantwortlicher im EWR?
Für den Europäischen Wirtschaftsraum, das Vereinigte Königreich und die Schweiz ist Anthropic Ireland, Limited zuständig, mit Sitz in 6th Floor, South Bank House, Barrow Street, Dublin 4. Datenschutzanfragen laufen über privacy@anthropic.com, den Datenschutzbeauftragten erreicht man unter dpo@anthropic.com. Die Datenschutzerklärung ist zum 8. Juli 2026 in Kraft.
Als Transfermechanismus in Drittländer nennt Anthropic die Standardvertragsklauseln nach Artikel 46 DSGVO sowie Angemessenheitsbeschlüsse, wo sie greifen. Eine Zertifizierung nach dem EU-US Data Privacy Framework wird in der Datenschutzerklärung nicht als Mechanismus genannt; wer sich darauf stützen möchte, sollte das gesondert prüfen.
Welche Zertifizierungen und Nachweise gibt es?
Anthropic führt im eigenen Privacy Center vier Nachweise: SOC 2 Type 1 und Type 2, ISO 27001:2022 für das Informationssicherheits-Managementsystem, ISO/IEC 42001:2023 für das KI-Managementsystem und eine HIPAA-taugliche Konfiguration mit Business Associate Agreement. Die ISO-42001-Zertifizierung hat Schellman Compliance ausgestellt, eine vom ANSI National Accreditation Board akkreditierte Stelle.
Verschlüsselung: TLS 1.2 oder höher bei der Übertragung, AES-256 im Ruhezustand. Auf Google Cloud sind kundenverwaltete Schlüssel möglich, auf Bedrock über KMS.
Der wichtigste Vorbehalt bei diesen Nachweisen ist der Geltungsbereich. Anthropic schreibt ausdrücklich, dass sie für die kommerziellen Produkte gelten, also Claude for Work und die Anthropic API. Free, Pro und Max fallen nicht darunter, auch dann nicht, wenn aus einem solchen Konto heraus Claude Code genutzt wird. Wer die Zertifikate in einer Ausschreibung braucht, braucht also Team, Enterprise oder die API. Berichte und Zertifikate stellt Anthropic über das Trust Portal unter trust.anthropic.com bereit, einen Teil davon erst nach Zugriffsanfrage. Geprüft am 27. September 2026 im Anthropic Privacy Center; der dortige Artikel wurde zuletzt am 16. März 2026 aktualisiert, die Liste ist unverändert.
Welche Kontrollen haben Admins seit Sommer 2026?
Zwischen Juli und September 2026 hat Anthropic die Werkzeuge für Admins deutlich ausgebaut. Fast alles davon gibt es nur in Enterprise; für die Freigabe im Unternehmen sind diese Punkte relevant:
| Werkzeug | Was es tut | Plan und Status |
|---|---|---|
| Compliance API | liefert Transkripte und Aktivitäten zur Prüfung, auch aus Cowork- und Claude-Code-Sitzungen, die lokal auf Rechnern laufen; der Activity Feed enthält seit dem 24. September 2026 keine Dateinamen, keine Titel von Projektdokumenten und keine Artifact-Titel mehr, auch nicht für ältere Einträge; über die ID am Eintrag bleiben sie mit einem Compliance Access Key mit dem Scope read:compliance_user_data abrufbar | Enterprise; lokale Cowork- und Code-Sitzungen seit 26. August 2026 allgemein verfügbar, lokale Sitzungen aus Claude for Microsoft 365 (Excel, PowerPoint, Word, Outlook) seit 24. September 2026 nicht mehr Beta, Claude in Chrome als Beta |
| Inference Hooks | ein eigener Sicherheitsserver entscheidet vor jeder Verarbeitung, ob eine Anfrage durchgeht; jede Ablehnung landet im Activity Feed | Enterprise, Beta seit 5. August 2026, allgemein verfügbar seit 20. Oktober 2026 |
| Security-Scan für Skills und Plugins | prüft Skills und Plugins, bevor sie in der Organisation genutzt werden | Enterprise, seit 6. August 2026; laut Hilfe-Center (Stand 27. September 2026) ab 2. Oktober 2026 standardmäßig an, sofern nicht selbst eingestellt |
| Admin API | Mitglieder, Workspaces, API-Schlüssel und Service Accounts per Schnittstelle verwalten; dazu persönliche und Service-Account-Schlüssel | allgemein verfügbar seit 26. August 2026 |
| HIPAA-Konfiguration | HIPAA-taugliche Einrichtung selbst aktivieren statt über den Vertrieb | Enterprise und API, seit 14. Juli 2026 |
| Custom Roles | legen fest, welche Funktionen, Connectoren und Modelle eine Gruppe nutzen darf, bis hin zur maximalen Denkstufe | nur Enterprise |
| Self-hosted Environments | Claude-Code-Sitzungen laufen im eigenen Netz; Code, Build-Artefakte und Secrets bleiben dort, Prompts, Antworten und Transkripte gehen weiter an Anthropic | Team und Enterprise, Public Beta seit 6. August 2026, nicht für Organisationen mit Zero Data Retention |
| Ausgabenlimits, Modellrechte und Efficient mode | Admins setzen Ausgabenlimits für Organisation, Gruppen und Mitglieder, geben einer Gruppe ein gemeinsames Monatsbudget, legen Modellrechte je Rolle fest und begrenzen mit dem Efficient mode die vereinheitlichte Claude-Oberfläche auf Sonnet und Haiku | Enterprise, seit 23. Oktober 2026 mit der Vereinigung von Chat und Cowork |
Für den Datenschutz heißt das: Enterprise bringt die Werkzeuge mit, um Nutzung nachzuvollziehen und einzugrenzen. In Team fehlen Compliance API, Custom Roles und eigene Aufbewahrungsfristen. Wer diese Nachweise gegenüber Datenschutz, Betriebsrat oder Kunden braucht, landet bei Enterprise. Die Änderung am Activity Feed hat zwei Seiten: Im Protokoll stehen weniger möglicherweise vertrauliche Angaben, und das gilt auch rückwirkend für ältere Einträge. Wer bisher über Dateinamen nachvollzogen hat, welche Dokumente bearbeitet wurden, ruft Namen und Titel künftig gezielt über die ID am Eintrag ab, mit einem Compliance Access Key mit dem Scope read:compliance_user_data, und sollte sein Prüfkonzept entsprechend anpassen, etwa mit der Frage, wer diesen Schlüssel bekommt. Wie Claude Code sich im eigenen Netz betreiben lässt, steht im Guide Claude Code.
Markiert Claude seine Texte als KI-Text?
Ja, bei den neueren Modellen. Anthropic hat im Juli 2026 den EU-Verhaltenskodex zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte unterzeichnet und versieht Texte seit dem 2. August 2026 mit einem unsichtbaren statistischen Wasserzeichen. Weil sich das nicht sauber nach Regionen trennen lässt, gilt es weltweit, in der API, in Claude, Claude Code, Cowork und Claude Tag sowie bei AWS, Google Cloud und Microsoft Foundry.
- Mit Text-Wasserzeichen (Stand 2. November 2026): die unterstützten Claude-Modelle laut Übersicht von Anthropic. Welche Modelle das sind und in welchem Umfang sie gekennzeichnet sind, steht dort; der Umfang unterscheidet sich zwischen den Claude-eigenen Oberflächen und den Cloud-Partnern AWS, Google Cloud und Microsoft Foundry.
- Nachträgliche Kennzeichnung und neue Modelle: Für Modelle, die vor dem 2. August 2026 erschienen sind, ergänzt Anthropic die Wasserzeichen nach eigener Aussage nachträglich. Claude-Modelle, die ab dem 2. August 2026 im Europäischen Wirtschaftsraum starten, kennzeichnen ihre Texte von Anfang an, und erzeugte Dateien tragen Content Credentials nach dem Standard C2PA, soweit das Format sie unterstützt.
- Dateien wie PNG oder JPEG erhalten bei allen Modellen eine kryptografisch signierte Herkunftsangabe nach dem Standard C2PA in den Metadaten. Prüfen lässt sich das mit dem kostenlosen Claude Content Checker.
Datenschutzrechtlich wichtig: Das Wasserzeichen enthält laut Anthropic keine Angaben zu Nutzern oder Organisationen. Es zeigt nur, dass Claude an einem Text wahrscheinlich beteiligt war. Nachweisen können das derzeit nur berechtigte Stellen über eine Erkennungs-API in einer privaten Vorschau, etwa Behörden, Medien, Forschung und Unternehmen mit eigenen Prüfpflichten. Was das für die eigene Kennzeichnungspflicht bedeutet und wo die Grenzen liegen, erklärt der Artikel KI-Wasserzeichen und AI Act Artikel 50.
Was verlangt der EU AI Act von uns als Betreiber?
Zwei Pflichten sind für den Mittelstand unmittelbar relevant. Sie gelten unabhängig von den Pflichten, die Anthropic als Anbieter des Modells erfüllt.
Die Pflicht gilt seit dem 2. Februar 2025 für Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, unabhängig von der Unternehmensgröße. Der KI-Omnibus, die Verordnung (EU) 2026/1744, ist am 24. Juli 2026 im Amtsblatt veröffentlicht worden und seit dem 27. Juli 2026 in Kraft. Er hat Artikel 4 neu gefasst: Anbieter und Betreiber müssen Maßnahmen ergreifen, die die Entwicklung von KI-Kompetenz ihres Personals unterstützen. Ein garantiertes Kompetenzniveau einzelner Personen verlangt die Regel nicht mehr, die Pflicht selbst bleibt. Die Maßnahmen sollen zu Vorwissen, Aufgaben und Einsatzkontext passen; ein bestimmter Kurs oder ein Zertifikat ist nicht vorgeschrieben. Quellen: Verordnung (EU) 2026/1744 auf EUR-Lex und EU-Kommission: KI-Kompetenz. Ein dokumentierter Workshop kann eine Maßnahme sein; er ersetzt nicht die Prüfung des konkreten Einsatzes. Mehr dazu auf der Seite EU-AI-Act-Schulung nach Artikel 4.
Seit dem 2. August 2026 gilt: Wer einen Chatbot unter eigenem Namen anbietet, kann selbst als Anbieter gelten und muss dann nach Absatz 1 erkennbar machen, dass Menschen mit einer KI sprechen. Deepfakes in Bild, Ton und Video müssen offengelegt werden, ebenso KI-Texte, die veröffentlicht werden, um über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren. Die Textpflicht entfällt, wenn der Inhalt menschlich geprüft oder redaktionell kontrolliert wurde und eine Person oder ein Unternehmen die redaktionelle Verantwortung trägt. Die Nachfrist bis zum 2. Dezember 2026 betrifft nur die Anbieter generativer KI-Systeme, die vor dem 2. August 2026 auf dem Markt waren, und nur die maschinenlesbare Markierung nach Artikel 50 Absatz 2, also etwa Wasserzeichen. Für eure eigenen Hinweise als Betreiber gibt es keine Nachfrist.
Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III wurden durch den KI-Omnibus auf den 2. Dezember 2027 verschoben, nach Anhang I auf den 2. August 2028. Die meisten Werkzeuge im Mittelstand fallen ohnehin nicht darunter, die Einordnung sollte aber dokumentiert sein, damit ihr sie im Zweifel belegen könnt. Wie das konkret aussieht, steht auf der Seite AI-Act-ready und im Artikel EU AI Act im Mittelstand.
Checkliste: Claude im Unternehmen freigeben
Diese neun Punkte klären die Fragen, die im Ernstfall gestellt werden. Sie ersetzen keine Prüfung durch eure Datenschutzbeauftragten, sind aber die Vorarbeit, die ihr ohnehin leisten müsst.
- Plan festlegen. Team oder Enterprise statt privater Pro-Accounts. Das ist der Punkt, an dem sich Trainingsausschluss und AVV entscheiden.
- Bestand erheben. Wer nutzt heute was, mit welchem Konto, für welche Daten? Ohne diese Antwort trifft jede Regel daneben.
- Datenarten klassifizieren. Was darf hinein, was nicht: Kundendaten, Beschäftigtendaten, Gesundheitsdaten, Geschäftsgeheimnisse, Quellcode.
- Verarbeitungsort klären. Reicht „global“ mit Standardvertragsklauseln, oder braucht ein Prozess Verarbeitung in Europa? Falls ja, Weg über Bedrock, die Agent Platform von Google Cloud oder die Claude-Modelle in Gemini Enterprise prüfen.
- Aufbewahrung festlegen. In der API und in Claude Code sind 30 Tage Standard, Chats im Firmenkonto bleiben ohne eigene Frist unbegrenzt gespeichert. Enterprise-Frist setzen, Zero Data Retention beantragen, falls nötig. Für Fable- und Mythos-Modelle gelten 30 Tage Aufbewahrung, Zero Data Retention dort nur mit ausdrücklicher Freigabe durch Anthropic.
- Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten ergänzen. Claude gehört als Verarbeitungstätigkeit dokumentiert, mit Zweck, Datenarten, Empfängern und Löschfristen.
- KI-Richtlinie schreiben. Kurz, konkret, mit Beispielen. Zwei Seiten, die gelesen werden, schlagen zwanzig, die niemand kennt.
- Schulen und dokumentieren. Artikel 4 verlangt Maßnahmen zur KI-Kompetenz, keine Formalien. Ein dokumentierter Workshop ist eine solche Maßnahme und gleichzeitig der Nachweis.
- Wiedervorlage setzen. Anbieterbedingungen ändern sich. Einmal im Quartal die Unterauftragsverarbeiter und die Modellliste prüfen. Nächster fester Termin: Ab 12. November 2026 gilt Anthropics neue Usage Policy, gleicht eure KI-Richtlinie dagegen ab.
Wenn es dokumentiert sein muss
Artikel-50-Check, KI-Richtlinie, Systemverzeichnis, Rollen und Schulungsnachweis: AI-Act-ready liefert die Dokumente, die im Ernstfall vorgelegt werden. 1.900 € Festpreis, Ergebnis nach zwei Wochen. Beratung, keine Rechtsberatung im Sinne des RDG.
AI-Act-ready ansehenWas du als Nächstes lesen solltest
Auch Anbieter machen Fehler
Zusicherungen im Vertrag sind das eine, der Betrieb das andere. Was passiert, wenn beim Anbieter etwas schiefgeht, zeigt der Sicherheitsvorfall bei Anthropic. Für die eigene Risikobetrachtung ist das nützlicher als jede Marketingfolie.
Juli bis September 2026, laut Sekundärquellen: Anthropic hat Ende Juli drei Fälle und am 11. September einen vierten Fall offengelegt, in denen Claude-Prototypen bei Sicherheitstests aus der Testumgebung heraus reale Systeme erreichten. Der vierte Fall betraf nach diesen Berichten einen Prototyp von Opus 4.6 aus dem Januar 2026 und ging auf eine Fehlkonfiguration zurück; METR untersucht ihn. Einen neuen Quellcode-Leak gab es in diesem Zeitraum nicht. Quellen: basicthinking.de und it-daily.net, beide Sekundärquellen.
Quellen und Stand der Prüfung
Alle Angaben auf dieser Seite wurden am 27. September 2026 gegen die folgenden Quellen geprüft, die Angaben zur Compliance API am 4. Oktober 2026, Datenresidenz, Cowork und die Anbietervergleiche am 20. Oktober 2026, die Trainingswahl je Plan und die neuen Admin-Werkzeuge am 2. November 2026. Anbieterbedingungen ändern sich häufig; maßgeblich sind die verlinkten Seiten.
- Anthropic: Updates to Consumer Terms and Privacy Policy (Trainingswahl, 5 Jahre und 30 Tage), abgerufen am 27.09.2026
- Claude: Preisseite (Modelltraining als Opt-out bei Free, Pro, Max und Ultra, kein Training bei Team und Enterprise), abgerufen am 02.11.2026
- Claude: Chat und Cowork werden ein Produkt für Enterprise (Ausgabenlimits, Gruppenbudgets, Modellrechte, Efficient mode), 23.10.2026, abgerufen am 02.11.2026
- Anthropic Privacy Center: How long do you store my data?, abgerufen am 27.09.2026
- Anthropic Privacy Center: Custom data retention controls for Enterprise plans, abgerufen am 27.09.2026
- Anthropic Privacy Center: What certifications has Anthropic obtained?, abgerufen am 27.09.2026
- Claude Code Docs: Data usage, abgerufen am 27.09.2026
- Claude Platform Docs: Release Notes (Compliance API, Inference Hooks, Admin API,
inference_geo), abgerufen am 27.09.2026; Eintrag vom 24.09.2026 zur Compliance API (Microsoft 365, Activity Feed) abgerufen am 04.10.2026 - Claude Platform Docs: Claude on Amazon Bedrock, Claude on Vertex AI und Claude in Microsoft Foundry, abgerufen am 27.09.2026
- Zero Data Retention und Covered Models: Claude Platform Docs: Zero Data Retention, Anthropic: Claude Fable 5.1 und Mythos 5.1 und Claude Help Center, Artikel 15425996, abgerufen am 27.09.2026
- Claude Help Center: Memory in Team und Enterprise (Artikel 11817273), abgerufen am 27.09.2026
- Claude: Regional compliance und Claude Platform Docs: Data residency, abgerufen am 20.10.2026
- Claude Platform Docs: Release Notes (Inference Hooks allgemein verfügbar, 20.10.2026), Claude Help Center: Cowork in der Cloud und Anthropic: Usage Policy 2026 (gültig ab 12.11.2026), abgerufen am 20.10.2026
- OpenAI: Business data (Datenresidenz für Enterprise, Edu, Healthcare und API); Google Cloud: Gemini Enterprise Release Notes (Claude-Modelle seit 15.10.2026), abgerufen am 20.10.2026
- Claude Blog: Self-hosted Environments (6. August 2026) und Memory und sensible Themen (25. August 2026), abgerufen am 27.09.2026
- Claude Help Center: Custom roles on Enterprise plans, abgerufen am 27.09.2026
- Claude Help Center: How Claude marks AI-generated content (abgerufen am 02.11.2026) und Anthropic: How Claude's text watermark works (14. August 2026, abgerufen am 27.09.2026)
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2026/1744 (KI-Omnibus), abgerufen am 27.09.2026
- Sekundärquellen: Einordnungen von compound.law und lingarogroup.com zu Bedrock- und Vertex-Regionen; basicthinking.de und it-daily.net vom 11.09.2026 zu den Sicherheitsvorfällen
Häufige Fragen
Ist Claude DSGVO-konform?
Claude lässt sich DSGVO-konform einsetzen, ist es aber nicht automatisch. Nötig sind ein kommerzieller Plan, der Auftragsverarbeitungsvertrag mit Standardvertragsklauseln, geklärte Datenarten und eine dokumentierte Einordnung. Mit privaten Accounts ist keine dieser Voraussetzungen erfüllt; eine Rechtsberatung im Sinne des RDG ersetzt diese Übersicht nicht.
Werden unsere Daten für das Training verwendet?
In Team, Enterprise und über die API nicht, das schließen Anthropics Commercial Terms aus. In Free, Pro, Max und Ultra fragt ein Dialog nach der Freigabe, der Schalter darin ist voreingestellt und du musst die Entscheidung aktiv treffen. Mit Freigabe bewahrt Anthropic die Daten bis zu fünf Jahre auf, ohne Freigabe 30 Tage.
Gibt es eine EU-Datenresidenz für Claude?
Über claude.ai und die direkte API nicht, dort sind nur global und USA wählbar, USA zum 1,1-fachen Preis. Verarbeitung in Europa gibt es über Amazon Bedrock oder Google Cloud (Gemini Enterprise Agent Platform, früher Vertex AI) mit EU-Regionen, dann ist der Cloud-Anbieter Auftragsverarbeiter. Microsoft Foundry bietet laut Anthropics Doku derzeit nur global und eine US-Datenzone, Europa nennt Anthropic dort als „coming soon“.
Bekommen wir Zero Data Retention?
Für die Claude API, die Claude Platform auf AWS und Claude in Microsoft Foundry ja, nach Freischaltung. Für Claude Code ist es nicht im Standard-Enterprise-Plan enthalten. Für Fable 5, Fable 5.1, Mythos 5 und Mythos 5.1 verlangt Anthropic 30 Tage Aufbewahrung; Zero Data Retention gibt es dort nur mit ausdrücklicher Freigabe durch Anthropic.
Müssen wir einen AVV separat abschließen?
Nein. Das Data Processing Addendum von Anthropic ist über die kommerziellen Bedingungen automatisch einbezogen und enthält die EU-Standardvertragsklauseln in den Modulen 2 und 3 sowie Zusätze für das Vereinigte Königreich und die Schweiz. Verantwortlich für den EWR ist Anthropic Ireland Limited in Dublin.
Was müssen wir wegen des EU AI Act tun?
Zwei Dinge. Artikel 4 verlangt seit dem 2. Februar 2025 Maßnahmen zur KI-Kompetenz, seit dem KI-Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026) ohne garantiertes Kompetenzniveau, aber weiter als Pflicht. Artikel 50 gilt seit dem 2. August 2026: Chatbots müssen sich als KI zu erkennen geben, Deepfakes und veröffentlichte KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse ohne menschliche Redaktion müssen offengelegt werden.
Sind Claude-Texte als KI-Text erkennbar?
Teilweise. Anthropic versieht die Texte der unterstützten Claude-Modelle laut eigener Übersicht weltweit mit einem unsichtbaren statistischen Wasserzeichen; welche Modelle das sind und in welchem Umfang, steht in der Übersicht von Anthropic. Für Modelle, die vor dem 2. August 2026 erschienen sind, ergänzt Anthropic die Wasserzeichen nach eigener Aussage nachträglich. Prüfen können das derzeit nur berechtigte Stellen über eine Erkennungs-API, und kurze oder stark überarbeitete Texte schwächen das Signal.
Kann ich Claude auf eigenen Servern betreiben?
Nein, die Modelle laufen immer bei Anthropic oder bei einem Cloud-Anbieter wie AWS, Google Cloud oder Microsoft. Mit den Self-hosted Environments (Public Beta seit 6. August 2026, Team und Enterprise) laufen nur Claude-Code-Sitzungen mit Code, Build-Artefakten und Secrets im eigenen Netz, Prompts, Antworten und Transkripte gehen weiter an Anthropic. Für Organisationen mit Zero Data Retention ist diese Option nicht verfügbar.
Reicht das Pro-Abo für die berufliche Nutzung?
Für eine Einzelperson ohne personenbezogene Daten technisch ja, datenschutzrechtlich meist nein. Ein Pro-Abo ist ein Consumer-Konto: kein vertraglicher Trainingsausschluss im gleichen Umfang, keine zentrale Verwaltung, keine Admin-Kontrolle über Freigaben. Ab zwei Personen ist Claude Team der richtige Rahmen.